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Neubau der Marsilius-Arkaden im Neuenheimer Feld, Heidelberg


Geschäftiges Treiben wohin man blickt: In zügigem Tempo gehen die Rohbauten der Marsilius-Arkaden im Neuenheimer Feld in Heidelberg ihrer Fertigstellung entgegen.

Die Pläne für den zukünftig gemischt genutzten Gebäudekomplex, bestehend aus drei Türmen mit sieben bis neun Geschossen, einer zweigeschossigen Sockelzone mit Arkaden und einem verbindenden Untergeschoss mit Tiefgarage bzw. Nebenraumflächen basieren auf einem EU-weit ausgeschriebenen Investorenwettbewerb, den die Epple Projekt GmbH zusammen mit dem Architekturbüro Hübner+Erhard und Partner gewinnen konnte. Vor allem hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs und der logistischen Aufgabe, aber auch mit Blick auf die Ausführungsqualität gestalten sich die Rohbauarbeiten überaus anspruchsvoll. Und das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Grundrissen, in denen sich die einzelnen Türme in den oberen Etagen voneinander unterscheiden. Zahlreiche Gebäudeteile sind auf Vorgabe des Architekten in Sichtbetonqualität zu realisieren; ein Umstand, der neben der Lieferung leistungsfähiger Schalsysteme und einer intensiven Beratungsleistung die Fertigung einer Vielzahl von individuellen  Schalungs- und Montagepläne erforderlich macht. Deshalb entschied sich die ausführende ARGE Marsilius-Arkaden, ein Zusammenschluss aus der Bauunternehmung Streib GmbH Co. KG und der A. Altenbach GmbH & Co. KG, mit der ULMA Betonschalungen und Gerüste GmbH für einen Baupartner, der seine Schalungskompetenz bei vorangegangen Projekten bereits unter Beweisstellen konnte.

 
Die Marsilius-Arkaden, die unter der Ägide der Epple Projekt GmbH, der Conceptaplan GmbH und des Landes Baden-Württemberg als Grundstückseigentümer entstehen, gelten als Nahtstelle zwischen den Hochhäusern des Neckarvorlandes, den nahegelegenen Klinikgebäuden und dem Gästehaus der Universität Heidelberg. 1500 Menschen sollen hier zukünftig auf rund 20.000 m² leben und arbeiten. Das Nutzungskonzept für den komplett von der Universität Heidelberg finanzierten neuen Gebäudekomplex ist vielgestaltig: Der Südturm soll eine ökumenische Einrichtung der beiden großen Kirchen sowie Wohnungen für die Mitarbeiter des nahegelegenen Universitätsklinikums beherbergen, im Westturm werden Büround Konferenzräume eingerichtet. Im nördlich gelegenen dritten Turm, dem Marsilius-Turm, finden das Marsilius-Kolleg, eine Einrichtung des Universitätsklinikums sowie weitere Wohnungen für Mitarbeiter und Studenten Platz; eine zweigeschossige Sockelzone mit durchlässigen Arkaden schafft eine Verbindung der drei Türme. In den Arkaden sollen später unter anderem eine Cafeteria und eine ökumenische Begegnungsstätte eine Heimat finden. Die unterschiedlichen Nutzungsarten spiegeln sich auch in den Plänen des Architekturbüros wieder: Ab dem zweiten Obergeschoss unterscheiden sich die drei Turm-Baukörper in punkto Grundriss und Wandformen teils erheblich voneinander. Hinzu kommt, dass die anspruchsvolle Architektur in weiten Teilen in Sichtbetonqualität auszuführen ist. Das stellt hohe Anforderungen an alle am Bau beteiligten Partner, insbesondere an die Schalsysteme und deren Verwendung von genau aufeinander abgestimmten Zeitplänen gesteuert wird.
 

Bewährte Zusammenarbeit
 
Mit Blick auf die Rahmenbedingungen suchte die ARGE ein Schalungsunternehmen, das nicht nur die benötigten Schalungssysteme termingerecht und in der gewünschten Qualität auf die Baustelle liefern, sondern neben den technischen Aspekten auch die gestalterischen Anforderungen erfüllen konnte. Insbesondere musste sichergestellt sein, dass das beauftragte Unternehmen über die Kapazitäten zur Fertigung der projektbezogenen Schalelemente mit den geforderten Eigenschaften verfügte. Auftragnehmer Streib konnte dabei auf gute Erfahrungen mit ULMA zurückblicken und sprach sich deshalb dafür aus, auch in Heidelberg wieder mit dem Schalungshersteller aus Rödermark zusammenzuarbeiten. „Eine gute Entscheidung“, zieht Dipl.-Ing. Klaus Lutz, Bauleiter bei der Streib GmbH & Co KG, ein vorläufiges Fazit, „wir sind mit unseren Baupartnern, den Produkten und dem bisherigen Verlauf der Bauarbeiten sehr zufrieden“.
 

Kein Turm gleicht dem anderen
 
Und das vor allem mit Blick auf die anspruchsvollen Rahmenbedingungen des Projektes.„Jeder Turm hat seinen eigenen Grundriss, der sich an der individuellen Nutzungsart orientiert“, so Lutz weiter, „deshalb erfordert jeder Turm auch den Einsatz von verschiedenen Schalungssystemen und individuell gefertigten Sonderschalungen, deren Herstellung eine akribische Detail- und Montageplanung voraussetzen“. Bis zur Fertigstellung, die für Mitte 2015 geplant ist, müssen inklusive der in Tiefgarage und Untergeschoss untergebrachten Technikräume 89.400 m³ umbauter Raum geschaffen werden. 1.700 t Rundstahl, 500 t Mattenstahl und ca. 13.000 m³ Beton werden hierfür verarbeitet. „Und dabei wird nicht etwa ein Rohbau nach dem anderen erstellt, sondern es wird zeitgleich an allen Gebäudeteilen gearbeitet“, betont Lutz. Dabei stellen zwei Krane den Ablauf und die Taktung auf der Baustelle sicher.
 

Verschiedenste ULMA-Lösungen im Einsatz
 
Neben fünf Sätzen Enkoform-Trägerschalung, die als Wandschalung für die in Sichtbetonqualität zu erstellenden Wandabschnitte verwendet werden, kommen bei den Rohbauarbeiten die ORMA-Rahmenschalung als Standardwandschalung, VR-Deckentische sowie 3.900 Deckenstützen zum Einsatz. Nach den Aushubarbeiten im August 2013 wurde mit dem Bau der unter dem gesamten Gebäudekomplex verlaufenden Tiefgarage begonnen. „Ausgehend von dem Gebäudeteil, in dem die Zufahrt liegt, wurde zunächst die Sohle betoniert, im Anschluss sukzessive die Wände hochgezogen und die ersten Decken des Marsilius-Turms geschalt und betoniert“ beschreibt Polier Andre Leistner von der A. Altenbach GmbH & Co. KG den Beginn der Arbeiten. Los ging es mit der Rahmenschalung ORMA, die an der zur Straße gelegenen Seite als einhäuptige Wandschalung eingesetzt wurde. Nach dem Betonieren und Ausschalen wurden die Schalelemente umgehend weiterverwendet, um die entsprechenden Gebäudeteile des Süd- und des Westturms zu realisieren. Ab dem zweiten Obergeschoss erforderten alle drei Türme dann eine jeweils unterschiedliche Schalung. Für die Erstellung der Bauteile in Sichtbetonqualität kam zusätzlich zur ORMA-Wandschalung die Trägerwandschalung Enkoform zum Einsatz.
 

Sonderwünsche kein Problem
 
Dipl.-Ing. (FH) Max Hannawiya, Projektleiter bei ULMA Betonschalungen und Gerüste GmbH, erläutert, wie bei der Umsetzung des planungsintensiven Projektes vorgegangen wird: „Vor dem Bau im Fertigungsbetrieb muss für jedes einzelne Element zunächst ein Montageplan erstellt werden. Zum Abruftermin werden die Bauteile im Schalungsbetrieb vormontiert und dann auf die Baustelle geliefert – gefragt ist deshalb nicht nur die entsprechende Fertigungsqualität und -kapazität, sondern auch die nötige logistische Zuverlässigkeit.“ Und die Bereitschaft, auch von Standardverfahren abweichende Lösungen gemeinsam mit den Baupartnern zu realisieren. Etwa wenn es darum geht, im Marsilius-Turm ein bestimmtes Fugenbild an einer Decke umzusetzen: „Wunschgemäß haben wir die Deckentische entsprechend vorkonfektioniert. Die Restflächen neben den Deckentischen mussten so geplant sein, dass die kunstharzvergüteten 3-S-Platten immer gleich laufend mit den Deckentischen ausgerichtet sind“, so Hannawiya. Der Deckentisch VR besteht aus Doppeljoch- und Querträgern aus V20 Holzschalungsträgern sowie dem Deckentischkopf VR, der ein Zurückklappen der Deckenstützen beim Umsetzvorgang ermöglicht. Die Abmessungen der Standardtische betragen in der Breite 2,00 und 2,50 m, in der Länge 4,00 und 5,00 m.

 
Zeit und Geld gespart
 
An anderer Stelle wurden verschiedene Schalsysteme miteinander kombiniert. „So etwa im Turm Süd, in dem verschiedene Wandabschnitte des Gebäudekerns zur Innenseite hin mit der ORMA-Wandschalung und auf der in Sichtbetonqualität zu erstellenden Außenseite mit der Enkoform-Schalung eingeschalt wurden“, erklärt Zeljho Antoniowic, ebenfalls Polier bei A. Altenbach. Auch bei der Befestigung der Klapparbeitsbühnen – sie werden in der Regel mit Gewindehülsen in der Decke verankert – haben sich die Baupartner eine Sonderlösung ausgedacht. „Ab dem 6. OG werden die Türme mit Streifenbalkonen ausgerüstet“, erläutert Streib-Polier Dietmar Koch. Da die Fertigteile nicht mit entsprechenden Hülsen ausgestattet sind, musste eine andere Befestigungslösung gefunden werden. „Deshalb haben wir Flachstahlanker mittels Dübeln an den Fertigteilen befestigt“, so Koch weiter. „und so das Anbringen der Klapparbeitsbühnen möglich gemacht.“ Für die Montage der Balkonplatten-Fertigteile im 6. OG des Westturms steuerten die Planer von ULMA ebenfalls eine Sonderlösung bei: Um den Zeitaufwand aber auch die Kosten in einem vertretbaren Rahmen zu halten, schlugen Sie den Einsatz einer Konstruktion aus Stahlträgern vor, die über das Gebäude herausragten und im Inneren mit Stützen ausgesteift wurden. „Damit konnte auf den wesentlich aufwändigeren Einsatz und das Stellen von entsprechenden Gerüsttürmen verzichtet werden“, so ULMA-Projektleiter Hannwiya. Die Balkonplatte wurde zunächst auf der Unterlage abgelegt und dann mit einer Anschlussbetonierung mit dem Gebäude verbunden.
 
Bislang liegt das anspruchsvolle Bauvorhaben im Plan – nicht nur mit Blick auf den Termin der Fertigstellung, sondern insbesondere auch auf die Qualität der umgesetzten Bauteile, die den Anforderungen des Architekten in vollem Umfang entspricht. Streib-Bauleiter Lutz zieht deshalb eine erste positve Bilanz: „Der gute Ruf, den ULMA als zuverlässiger Partner bei der Realisierung anspruchsvoller Projekte in Sichtbetonqualität und für das kompetente Handling großer Baustellen genießt, hat sich in Heidelberg bestätigt.“