Seit April 2006 bestimmen Bauarbeiter, Baufahrzeuge, Krane und Container die Kulisse der Großbaustelle für das neue Freizeitbad in unmittelbarer Nachbarschaft der Karlsruher Europahalle. 

Ende April dieses Jahres wird die Ed. Züblin AG die umfangreichen Rohbauarbeiten im Auftrag der Karlsruher Bädergesellschaft mbH zum planmäßigen Abschluss gebracht haben. Das architektonische Highlight der Stuttgarter Bäderarchitekten Geier + Geier, das sich in fünf Hauptetagen gliedert, wird nach seiner Fertigstellung von zwei übereinandergeschobenen Zylinderschalen überdacht. Das Besondere an dem 25 Mio. Euro teuren Projekt sind neben den vielfältigen Attraktionen für die Badegäste eine zukunftsweisende Technik sowie die anspruchsvolle Formung der unterschiedlichen Baukörper. Neben den Wänden im Umkleidebereich, die nach den Plänen der Architekten in Sichtbetonqualität auszuführen waren, stellten vor allem die filigranen Rundungen der Becken und die geometrisch aufwändige Konstruktion des Rutschenturms hohe Ansprüche an die Schalsysteme. Dabei hat die eingesetzte Rahmenschalung ORMA, die Träger-Deckenschalung TS 20 sowie die Rundschalung BIRA von der ULMA Betonschalungen und Gerüste GmbH eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass mit Systemschalungen ausgezeichnete Betonoberflächen und anspruchsvolle Baukörper zu realisieren sind. Schon die Massenangaben machen die Dimensionen der Baumaßnahme deutlich: Nahezu 50 000 m³ Erdreich sind seit dem ersten Spatenstich bewegt worden. Rund 15 000 m³ Beton und 1 200 t Stahl tragen dazu bei, dass auf dem ca. 20 000 m² großen Grundstück in der Karlsruher Innenstadt ein Freizeitbad der Superlative entsteht. Alleine die Dachkonstruktion, die eine Fläche von über 4 000 m² überspannt, wiegt 600 t. Bis zu 3 200 Badegäste können die vielen Attraktionen nach der Fertigstellung täglich nutzen. Neben einem Kinderplantschbecken mit Schiffchenkanal, Babystation und Wasserfall zählen ein Erlebnisbecken mit Strömungskanal und zahlreichen Wasserattraktionen sowie ein Wellnessbereich mit Sprudelliegen, Sprudelbecken und Dampfbad zur Grundausstattung der neuen Wohlfühl-Oase. Auch das Außenbecken wartet mit zahlreichen Attraktionen auf. Allen voran der so genannte Rutschenturm mit einer Breitrutsche für die Familie, einem Wildwasserfluss für die Erlebnissuchenden und einer Reifenrutsche für alle. Abgerundet wird das Angebot durch einen Sportbereich für Schulen und Vereine mit einem 25m Becken, einem Nichtschwimmerbecken, dem Dusch- und Umkleidebereich, einer Saunalandschaft über zwei Ebenen mit vier Innensaunen und einer Außensauna sowie einer Gastronomie in der Badmitte.


Anspruchsvolles Schalungskonzept

Das neue Freizeitbad wurde in konventioneller Bauweise errichtet. Es gliedert sich in fünf Hauptetagen und verschiedene Zwischenetagen. Auf der untersten Ebene ist die Technik untergebracht. Da das Gebäude ca. 3 m unterhalb des Grundwasserspiegels liegt, wurden Fundamente und Untergeschosse als weiße Wanne ausgeführt. Darüber schließen sich die Badeplattform und der Umkleidebereich an, gefolgt vom Haupteingangs- und dem Saunabereich. Die oberste Ebene bildet das Startplateau für die Rutschbahnanlagen. Bodenplatten, Wände und Decken dieser Gebäudeteile wurden aus Stahlbeton erstellt, wobei das Treppenhaus des Wildwasserkanals, große Teile des Rutschenturms sowie die Wände des Umkleidebereichs nach den Vorgaben des Architekten Sichtbetonqualität aufweisen mussten. „Gefordert war ein ausgeklügeltes Schalungskonzept, in dem die gleichmäßige Lage von Stoßfugen und Ankerstellen definiert war“, erläutert Dipl.-Ing. Ingo Fesenmayr, Ed. Züblin AG, Bauleiter Bereich Ingenieurbau, die Anforderungen von Bauherrenseite „Die Architekten erwarteten einen Sichtbeton allererster Güte – nachträgliche Betonkosmetik wurde untersagt“, so Fesenmayr weiter. Gemeinsam mit den Schalungstechnikern von ULMA entwickelte die Bauleitung ein Konzept, bei dessen Umsetzung die Elemente der ORMA-Rahmenschalung vor Ort mit der vorgesehenen Schalhaut aus sägerauen Brettern belegt wurde. „Die Ausführung hat die Erwartungen von Architekten und Bauherrn voll erfüllt“, zeigt sich Dipl.-Ing. Andreas Abdul, Gebietsleitung Südwest, ULMA Betonschalungen und Gerüste GmbH, zufrieden mit den sichtbaren Ergebnissen. Nach dem Ausschalen gab es seitens des Auftraggebers keinerlei Beanstandung an der Qualität. „Damit haben wir gezeigt, welche guten Resultate sich mit einer wirtschaftlich und schnell einsetzbaren Systemschalung erzielen lassen“, so Abdul weiter.


Rahmenschalung umfunktioniert

Ihre Leistungsstärke und Flexibilität stellte die Rahmenschalung ORMA auch bei der Betonage des leicht gerundeten Rutschenturms unter Beweis. Das Höhenraster der ORMA besteht aus 1,20m und 2,70 m hohen Elementen. Das Breitenraster ist zweckmäßig von 0,30 m bis 2,40 m für eine optimale Anpassung an Baustellenanforderungen ausgelegt. „Der Rutschenturm wurde in Schüssen von jeweils sechs m erstellt“, erläutert Abdul. Dazu wurden drei Schalelemente im Grundriss und zwei übereinander miteinander verbolzt. Eine Konstruktion, die für die einzelnen Betonierabschnitte als komplette Einheit mehrfach umgesetzt werden konnte. Der besondere Clou: Auf Anregung von Bauleiter Fesenmayr wurden die 1,20 m breiten Schalelemente am Stoß mit Stahlplattenstreifen versehen. Mit diesem bautechnischen Kniff ließ sich der leichte Radius des Bauteils auch mit der Rahmenschalung schnell und einfach realisieren.


Beweglich bei Logistik und Beratung

Die Deckenschalung TS 20, die Rundschalung BIRA und Lasttürme stellten die weiteren Bestandteile des erfolgreichen Schalungskonzeptes dar. Die einzelnen Komponenten wurden während der gesamten Rohbauphase in großen Mengen zur Baustelle geliefert, um die architektonisch anspruchsvolle und aufwändige Bauwerksgeometrie mit polygonalen Wandformen und teilweise hohen Decken mit Sprüngen und Versätzen zu realisieren. Doch nicht nur die Logistik funktionierte reibungslos, wie die Beteiligten gerne bestätigen. Sehr zufrieden zeigt sich Bauleiter Fesenmayr auch mit dem Service und der Betreuung durch die ULMA-Schalungsprofis, die sich – falls erforderlich – auch bei laufender Bauzeit flexibel auf geänderte Abläufe und Termine eingestellt hätten. „In Andreas Abdul hatten wir einen Ansprechpartner, der uns jederzeit schnell, lösungsorientiert und kompetent beraten hat“, zieht Fesenmayr ein positives Fazit zum Abschluss der Rohbauarbeiten am Freizeitbad Karlsruhe.